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Gift-Alarm: Einsatz endet erst nach 22 Stunden

Situation in Brotfabrik seit gestern Vormittag unter Kontrolle / 150 Feuerwehrkräfte wechseln sich ab

 

Aerzen (tis). Der bislang größte und auch kräftezehrendste Gefahrguteinsatz für die Feuerwehren der Gemeinde Aerzen ging erst gestern Morgen nach knapp 22 Stunden zu Ende. So lange dauerte es, bis die Schadstoffkonzentrationen in einer Halle des Unternehmens Aerzener Brot und Kuchen GmbH nach einem Ammoniak-Austritt einer Froster-Anlage unter die Toleranzgrenze gefallen waren. Derzeit wird die Halle unter Regie der Firma aber noch weiter belüftet. Insgesamt waren an dem Einsatz rund 150 Feuerwehrkräfte aus neun Ortswehren und zwei Spezialeinheiten der Kreisfeuerwehr eingesetzt worden.

Am Montag war an einer Anlage zur Schockfrostung von Kuchen eine Leckage von Ammoniak festgestellt und die Feuerwehren Aerzen, Groß Berkel und Herkendorf sowie die Gefahrguteinheit der Kreisfeuerwehr und Kräfte des ABC-Zuges um 12.13 Uhr alarmiert worden (wir berichteten). Das Problem war dann, dass eine Leckstelle an dem in einem abgeschotteten Raum aufgestellten Froster wegen der Bauweise der Anlage von der Feuerwehr nicht abgedichtet werden konnte. Also entschloss sich die Einsatzleitung mit dem stellvertretenden Gemeindebrandmeister Jörg Pyka und Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke als Kreisgefahrgutbeauftragter und Chemiker, dass die rund 300 Liter Ammoniak komplett aus der Anlage entfernt werden müssen. „Messungen ergaben zum einen eine Explosionsgefahr in Teilbereichen an dem Froster, etwa an den Leckstellen. Zum anderen lagen die Schadstoffkonzentrationen in der Halle über der Nachweisgrenze unserer Messgeräte, die bei 150 ppm liegt“, erklärt der Kreisbrandmeister. 50 ppm wären ein Wert, bei denen sich Feuerwehrkräfte rund acht Stunden in dem Bereich ohne Atemschutz aufhalten könnten. Somit war ein Arbeiten an der Schadensstelle nur unter Atemschutz und mit Chemikalienschutzanzügen möglich, da Ammoniak ein Atemgift mit Reiz- und Ätzwirkung ist, das aber durch seinen stechenden Geruch sofort auffällt.

Das Entleeren der Anlage war sehr zeitaufwendig, da ein direktes Abpumpen nicht möglich war. Es geschah zum einen durch einen allerdings sehr geringen Druckunterschied zwischen der Anlage und der Umwelt, wobei auch eine Heizungsanlage zum Einsatz kam, um die Anlage aufzuwärmen und den Vorgang zu beschleunigen. Das Ammoniak wurde dann in Wassertanks eingeleitet, weil Wasser große Mengen an Ammoniak bindet und sich eine Salmiaklösung bildet. Somit werden keine Stoffe mehr an die Umwelt abgegeben und die Lösung kann der Entsorgung zugeführt werden. Zeitweise wurde das Gas auch in große Spezialbehälter abgepumpt. Dies konnte aber nicht dauerhaft geschehen, weil zu viel Luft mit angesaugt wurde.

Diese Arbeiten führte ein Monteur einer Fachfirma durch. Feuerwehrkräften standen aber ständig bereit, um das Vorgehen zu überwachen und die Anlage zu beaufsichtigen. „Da diese Aufgaben wegen der hohen Schadstoffkonzentration in der Halle weiterhin nur unter Schutzanzügen mit Atemschutz ausgeführt werden konnten, mussten wir ständig neue und frische Kräfte heranführen, da die Arbeiten unter den Anzügen sehr anstrengend waren und zeitlich eng begrenzt sind“, erklärt Jörg Pyka.

So wurden neben der Ortswehr Grießem am Nachmittag abends die Kräfte des ABC-Zuges Marienau und gegen 23.30 Uhr die Ortswehren Reher und Egge zur Ablösung alarmiert. Um 1.53 Uhr gab es dann Alarm für die Ortswehr Holzhausen, da hier viele Atemschutzgeräteträger und ausgebildete Kräfte für die Schutzanzüge vorhanden sind. Kreisbrandmeister Wöbbecke: „Wir hatten so über die gesamte Einsatzdauer verteilt ständig 50 bis 60 Einsatzkräfte vor Ort.“ Auch aus den Ortswehren Grupenhagen und zuletzt Reinerbeck unterstützen Brandschützer den Einsatz.

Nachdem die überwiegende Menge Ammoniak abgepumpt worden war, wurde der Rest kontrolliert in das Gebäude abgelassen und dieses weiter beheizt, um eine schnelle Verdampfung zu gewährleisten. Mit bis zu drei Hochleistungslüftern wurde dann der gasförmige Schadstoff aus der Halle gedrückt. Im Umkreis der Einsatzstelle wurden ständig Messungen durchgeführt, die aber keine gefährlichen Schadstoffkonzentrationen aufwiesen. „Wir hatten ja teilweise kräftigen Wind, nur wenn dieser mal nachließ, war eine gewisse Geruchsbelästigung im näheren Umfeld vorhanden“, erklärt Frank Wöbbecke.

Als in den Morgenstunden gegen 6.30 Uhr die Schadstoffkonzentration in der Halle bei 50 ppm lag, konnte die Ortswehr Holzhausen abrücken, lediglich die Feuerwehr Aerzen und Kräfte der Gefahrguteinheit blieben vor Ort. Sie belüfteten weiter die Halle. Nachdem gegen 10 Uhr 20 ppm erreicht worden waren, konnte der Feuerwehreinsatz endgültig beendet werden. Die Halle muss aber noch wahrscheinlich 24 Stunden belüftet werden, was von der Aerzener Brotfabrik sichergestellt wird. Einsatzleiter Jörg Pyka: „Bei diesem größten Gefahrguteinsatz in der Gemeinde, der auch an die Substanz ging, verlief die Zusammenarbeit der verschiedenen Einheiten sehr gut und vollkommen problemlos.“

csa-aerzenerbrot

 

Immer wieder mussten auch in der Nacht Feuerwehrtrupps die Anlage, in der das Ammoniak ausgetreten war, überprüfen. Dazu mussten sie sich zur eigenen Sicherheit mit Chemikalienschutzanzügen ausrüsten.

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Quelleninformationen
Autor: Friedrich-Wilhelm ThiesWebsite: http://www.dewezet.de

   

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Letzte Aktualisierung 05/12/2019 - 20:44 Uhr
   
   
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